Geburt in Montenegro: Leitfaden für Expats und Touristen
Montenegro ist im klassischen Sinne kein Land des „Medizintourismus“, dennoch entscheiden sich viele Expats und Langzeitaufenthalter aufgrund des günstigen Klimas und der erschwinglichen Preise für eine Geburt hier. Das Gesundheitssystem hat seine Besonderheiten: Es ist konservativ, entspricht jedoch den grundlegenden europäischen Protokollen. Nachfolgend eine detaillierte Übersicht des Prozesses: von der Anmeldung der Schwangerschaft bis zur Ausstellung der Dokumente für das Kind.Krankenversicherung und Aufenthaltsstatus
Der Zugang zur medizinischen Versorgung hängt direkt von Ihrem rechtlichen Status ab. Aufenthaltserlaubnis (boravak) + staatliche Versicherung („grünes Heftchen“). Wenn Sie oder Ihr Ehepartner offiziell beschäftigt sind, sind alle Leistungen (Schwangerschaftsbetreuung, Untersuchungen, Geburt, Kaiserschnitt) in staatlichen Kliniken kostenlos. Touristen und Aufenthaltsinhaber ohne Versicherung. Alle Leistungen werden gemäß Preisliste berechnet. Die Preise liegen unter dem europäischen Durchschnitt. Reiseversicherung. Standardpolicen decken in der Regel nur Notfälle und Komplikationen bis zu einer bestimmten Schwangerschaftswoche ab (häufig bis zur 24.–31. Woche). Die eigentliche Geburt ist in der Regel nicht durch die Reiseversicherung abgedeckt.
Wichtig: Europäische Krankenversicherungskarten (EHIC) sind in Montenegro nicht gültig, da das Land kein EU-Mitglied ist.
Schwangerschaftsbetreuung
Die Anmeldung erfolgt in einem lokalen Gesundheitszentrum (Dom zdravlja). Mit Aufenthaltserlaubnis und Versicherung: Sie wählen einen staatlichen Gynäkologen. Untersuchungen, Ultraschall und grundlegende Analysen sind kostenlos. In Montenegro wird häufig bei jedem Termin ein Ultraschall durchgeführt (öfter als in Westeuropa). Kostenpflichtig: Betreuung in privaten Kliniken oder bei privaten Ärzten ist möglich. Viele Ärzte aus staatlichen Krankenhäusern bieten nachmittags Privatsprechstunden an. Ungefähre Preise (Privatsektor): Beratung mit Ultraschall: 20–50 Euro. Blut-/Urinanalysen: 7–100 Euro (je nach Komplexität). Screenings (genetische Risiken): 50–100 Euro.
Tipp: Eine kostenpflichtige Betreuung durch einen Arzt, der im von Ihnen gewählten Entbindungskrankenhaus arbeitet, ist eine gute Strategie. Dies gewährleistet Kontinuität der Betreuung, da dieser Arzt die Geburt durchführen oder den Prozess begleiten kann.
Wo entbinden: Entbindungsstationen und Kliniken
In Montenegro gibt es keine separaten Gebäude für „Entbindungskliniken“. Geburten finden in den Entbindungsstationen allgemeiner Krankenhäuser statt. Staatliche Zentren: Podgorica (Klinisches Zentrum — am besten ausgestattet), Bar, Kotor, Cetinje, Herceg Novi, Nikšić, Pljevlja, Berane, Bijelo Polje. Private Kliniken: „Codra“ (Podgorica) und „Meljine“ (Herceg Novi, Status kann sich ändern — Aktualität prüfen). Besonderheiten der Geburt: Partnergeburt: Im Klinischen Zentrum Podgorica kostenlos möglich (keine Garantie, abhängig von der Auslastung). In privaten Kliniken gegen Aufpreis. In den meisten regionalen Krankenhäusern ist der Ehemann im Kreißsaal nicht zugelassen. Schmerzlinderung: Eine Periduralanästhesie ist in staatlichen Krankenhäusern selten (häufig aufgrund eines Mangels an Anästhesisten). In privaten Kliniken (z. B. Codra) auf Anfrage verfügbar. Kaiserschnitt: Der Anteil ist hoch (in einigen Einrichtungen bis zu 58 %).
Empfehlung: Bei Risikoschwangerschaften oder erwarteten Komplikationen wählen Sie das Klinische Zentrum Podgorica. Es ist die einzige Einrichtung der tertiären Versorgungsstufe mit einer voll ausgestatteten neonatologischen Intensivstation.
Kosten der Geburt
Wenn Sie keine lokale Versicherung (Krankenfonds) haben, müssen Sie mit folgenden Kosten rechnen: Natürliche Geburt (Krankenhaus): 200–500 Euro. Kaiserschnitt (Krankenhaus): Höhere Kosten, individuell berechnet. Private Kliniken: Komplettpakete für die Geburt liegen zwischen 500 und 2500 Euro.Wochenbett und Entlassung
Bedingungen: Die Bedingungen in staatlichen Zimmern sind einfach. Die Verpflegung ist grundlegend (Suppen, Brot); Essen wird häufig von Angehörigen mitgebracht. In staatlichen Einrichtungen befindet sich das Kind meist in einem separaten Bereich und wird nach Zeitplan gebracht. In privaten Kliniken — gemeinsamer Aufenthalt rund um die Uhr. Dauer: Die Entlassung erfolgt in der Regel am 3. Tag nach einer natürlichen Geburt und am 5.–7. Tag nach einem Kaiserschnitt. Nachsorge: Nach der Entlassung besucht eine Nachsorgehebamme bzw. -schwester das Kind 3–4 Mal zu Hause (auch für Ausländer verfügbar).Dokumente für das Kind
Die Geburt auf dem Staatsgebiet Montenegros verleiht dem Kind nicht automatisch die Staatsbürgerschaft (kein Geburtsortsprinzip). Die Staatsbürgerschaft wird ausschließlich nach dem Abstammungsprinzip vergeben (wenn ein Elternteil montenegrinischer Staatsbürger ist). Vorgehensweise für Staatsbürger der RF und GUS-Länder: Im Entbindungskrankenhaus: Erhalt des „List za novorođenče“ (Geburtsbescheinigung) und des Entlassungsberichts. Überprüfen Sie die korrekte Schreibweise der Namen der Eltern. Beim MUP Montenegros: Registrierung der Geburt. Dokumente: Bescheinigung aus dem Krankenhaus, Reisepässe der Eltern, notariell beglaubigte Übersetzung der Heiratsurkunde. Ergebnis: Montenegrinische Geburtsurkunde (Izvod aus dem Geburtenregister). Kosten: ~15 Euro. Im Konsulat Ihres Landes (z. B. RF in Podgorica): Registrierung der Staatsbürgerschaft und Ausstellung der Geburtsurkunde Ihres Landes. Beantragung eines Reisepasses für das Kind (Bearbeitungszeit 1–2 Wochen). Aufenthaltserlaubnis für das Kind: Nach Erhalt des Passes Antrag auf „Familienzusammenführung“ beim MUP stellen. Bearbeitungszeit: ~21 Tage.
Bußgelder: Das Kind muss innerhalb von 30 Tagen nach der Geburt beim MUP registriert werden. Bei Verspätung wird ein Bußgeld erhoben (ab 5 Euro aufwärts) und eine schriftliche Erklärung verlangt.